Episode 8

Eine Radreise nach Sardinien – Teil 1

Warum diese Episode?

Felix

Vor dem nächsten Update zu den mittlerweile beinahe regelmäßigen Bestellanpassungen war eigentlich ein Beitrag zum Thema „Dranbleiben“ in Arbeit.

Ein Wunsch meines Kollegen Felix.

Er sagte mir:

Du gibst immer inspirierende Tipps. Diese gutzufinden und anzufangen ist ja einfach.

Das mit dem Dranbleiben aber nicht so ganz.

Also fing ich an, mir Notizen zu machen.

Dann passierten aber zwei Sachen an einem Tag in Folge.

Thomas E.

Zum einen stieß ich auf einen zurückliegenden Blog-Kommentar von Thomas E..

In diesem wünschte er sich auch mal etwas zu unseren Radreisen.

Bei den ganzen den Text in Lesehäppchen aufteilende Radreisebilder eigentlich kein Wunder.

Norbert und Jaqueline

Zum anderen besuchten wir abends unsere Freunde Norbert und Jaqueline.

Sauna. Ein leckeres Abendessen. Mit dem Enkelkind spielen.

Vor allem aber unterhalten. Auch über den Blog.

Und alte Geschichten erzählen. Auch Geschichten vom Radfahren.

Und … die erste Flasche Bier.

Dann war irgendwann klar. Es muss ein Artikel her.

Ein Artikel über unsere damalige Radtour von seiner Haustüre aus nach Südsardinien.

Verlasse deine Komfortzone

Handschlag drauf.

Die zweite Flasche Bier aufgemacht. Weiter unterhalten.

Ab da war ich aber leicht unkonzentriert. Was habe ich da gerade gemacht?

Wie soll ich von einer 2300 Kilometer Radreise aus dem Jahr 2012 berichten?

Aus der Erinnerung heraus. In einer einzigen Episode.

Und dabei unterhaltsam und inspirierend sein, aber nicht angeberisch.

Scheiße (Entschuldigung). Nerven behalten.

Weiter trinken.

Jetzt kann ich ja mal zeigen, ob ich wirklich ein Blogger bin. Jetzt kann ich (mal wieder) meine Komfortzone verlassen.

Möchte ich ja auch von anderen. Ist schließlich der einzige Weg um weiterzukommen.

Also los. Vorhang auf …

Irgendwo in Ligurien

Das Gebirge, das aus dem Nichts kam

Hitze. Bin noch viel zu warm angezogen.

Ich sehe immer nur seine Waden. Kein Vorbeikommen.

Ein schier unendliches Gebirge.

Überhaupt kein Ende erkennbar.

Kein Dorf. Nichts.

Wo kommt dieses verdammte Gebirge her und wann um Himmels willen endet es?

Ich kann nicht mehr. Keinen einzigen Meter mehr.

Seit wann gibt es zwischen den Alpen und dem Mittelmeer noch ein Gebirge? Und dann auch noch so eins?

Unwillkommene Ratschläge

Was nun?

Ein Blick nach unten.

Kein Wasser mehr. Keine Schokolade mehr.

Und immer noch kein Ende in Sicht.

Er merkt, was mit mir los ist. Und wird langsamer.

Ich versuche, das mit dem“runden Tritt“ hinzukriegen. Irgendwie.

Dann gehts los. Ganz vorsichtig: „Fahr langsam. Gleichmäßig. Ändere mal deine Sitzposition. Steh mal auf. Du bist ja gleich oben.“

Langsamer? Noch langsamer? Aufstehen? Was will der Kerl? Ich sterbe gerade.

Also mit letzter Kraft: „Noch ein Wort und ich reiß dir deine Zunge raus.“

Oh Gott! Was ist da gerade los mit mir? Ich bin ja aggressiv. Hoch aggressiv sogar.

Meinem Freund gegenüber. Der mir ja nur helfen will.

Egal. Da kann ich später drüber nachdenken. Ich muss da irgendwie hoch.

Drei Helfer

Nr. 1

Jetzt muss erst mal wieder Beppo helfen.

Beppo der Straßenkehrer. Von Michael Ende.

Aber nicht kehren, sondern treten. Wie Beppo.

Ich mache es zu meinem helfenden Mantra. Immer nur an den nächsten Meter denken.

Nr. 2

Und Slalom fahren.

Soweit es die enge Straße zulässt. Meine Rohloffnabe hat nämlich keinen Gang mehr.

Norbert schweigt. Mittlerweile.

Ich tue ihm leid. Aber er kann mir ja nicht helfen.

Nr. 3

Jetzt kommt meine dritte Technik.

Mein Wille.

Ich werde nicht aufgeben. Eher falle ich von diesem Scheiß-Rad.

Nahrungsaufnahme fernab jeglicher Normalität

Viel viel später.

Irgendwo im Nichts. Häuser. Ein Dorf. Und … man kann sogar etwas kaufen.

  • 1,5 Liter Cola
  • 2 Eis
  • 3 Snickers

Jeder.

Ruhe kehrt ein. Kraft kommt zurück.

Und Laune. Gute Laune. Mein Normalzustand.

Ich kann wieder denken.

Hätten wir uns besser mal vorher über dieses Etappenstück informiert.

Egal. Mir gehts wieder besser.

Stolz – Ein unbezahlbares Gefühl

Und dann kommt es wieder.

Es überwiegt.

Das unbezahlbare Gefühl von Abenteuer und Stolz.

Die Schmerzen haben sich also gelohnt.

Mal wieder.

Übrigens

Wo sind wir hier gerade? Wer sind wir? Warum sind wir hier?

Und waren es nur Schmerzen? Nein. Aber einige. Und immer lohnende.

Aber ich fange einfach mal von vorne an.

Der Plan „Wulla“

Wir haben eine gemeinsame Freundin in Griechenland.

Die Wulla.

Nach ein paar Ouzo kam die Idee, dort nochmal einen Urlaub zu machen.

Das Besondere daran sollte dieses Mal aber sein, dass die beiden Männer mit dem Fahrrad nach Griechenland fahren.

Die Frauen und unsere beiden Kinder sollten dann mit dem Flugzeug nachkommen.

Dann zwei Wochen gemeinsamer Urlaub und alle zusammen wieder zurückfliegen.

Ein guter Plan.

Der Plan „24 Zentimeter“

Wie bei vielen guten Plänen kam aber leider etwas dazwischen.

Nicht aufgeben. Ein neuer musste her.

Dann fahren wir halt woanders hin.

Aber wohin denn?

Ein neues Treffen.

Und jetzt wird es ein wenig verrückt.

Wir nahmen uns eine kleine Europakarte und ein Plastiklineal.

Der Strecke „Aachen-Wulla“ wurde vermessen. 24 Zentimeter.

Dann wurde ein Halbkreis in südliche Richtung geschlagen und es kam so ganz grob Gonnesa in Südsardinien raus.

Wie mag es da wohl sein? Egal.

Der Plan klang einigermaßen gut.

Eine Unterkunft werden wir schon finden.

Und eine einigermaßen interessante Strecke auch.

Perfekt.

Noch einen Ouzo. Jamas!

2 Männer – 1 Traum

Und wer sind nun diese beiden Männer?

Zwei vollkommen unterschiedliche Gestalten mit Gemeinsamkeiten.

Die Gemeinsamkeiten:

  • Arbeitskollegen
  • Freunde seit langer langer Zeit
  • Leidenschaft zum Radfahren
  • Lust auf eine lange Radtour. Nach Sardinien. Gemeinsam.

Die Unterschiede:

Ich:

  • 48 Jahre alt
  • Körperlich in „normalem“ Zustand
  • Mit solider Fitness

Norbert:

  • Knapp 10 Jahre älter
  • Wiederholt den Krebs besiegt und 14 Knieoperationen
  • Der Fahrradfahrer schlechthin. Unbesiegbar

Und was hält dich jetzt noch auf?

Klingt komisch? Ist aber so. Unvorstellbar.

Falls du jetzt immer noch nach Ausreden für deine eigenen Pläne, egal welche du hast, suchst:

Mittlerweile hat er zwei künstliche Knie und fährt immer noch.

Letztens noch das Stilfser Joch-Pass (2757 Meter Höhe) und andere norditalienische Pässe.

Daran siehst du mal wieder:

Wer einen Traum hat, der findet Möglichkeiten.

15.09.2012

Diese beiden Typen stehen nun vor Norberts Haustür.

Mit ihren Fahrrädern. Gepackt.

Und ihrer Familie.

Küsse. Umarmungen. Fotos. Abschied.

Gefühlsmix

Freude.

Und Unbehagen. Bei mir. Denn ich bin nicht gerne von meiner Familie weg. Das fällt mir jedesmal sehr sehr schwer.

Angst?

Kein bisschen. Unser 3. Mann, unser Begleiter, hieß Vertrauen.

Losrollen

Wir rollen an und biegen um die Ecke.

Kein Sichtkontakt zur Familie mehr.

Nur noch wir beide.

Es kann losgehen.

Aber was?

Wie sollte es nun weitergehen?

Ein guter Plan

Unser Vorhaben war, jeden Tag bis zum späten Nachmittag bzw. frühen Abend zu fahren und uns dann irgendwie eine Unterkunft zu suchen.

Durch Fragen oder mit der rudimentären Umfeldsuche in Norberts Fahrradnavi.

Desweiteren wollten wir so etwas über 100 Kilometer am Tag fahren.

Erstmal in Richtung Rhein.

Den ganz runter bis zum Bodensee.

Auf dessen anderen Seite dann am Fluss weiter bis an die Alpen.

Über den Splügenpass nach Italien in Richtung Mittelmeer.

Von Savona mit der Fähre nach Korsika. Dort die „harte“ Seite runter.

Fähre nach Sardinien. Quer runter.

Ankommen.

Stolz sein.

Familie erwarten. Gemeinsamen Urlaub machen.

Das einzige was fest gebucht war, waren die beiden Fähren.

Ein guter Plan.

Und so fuhren wir. 

Die Logistik

Mit unseren Treckingrädern.

Jeder mit zwei hinteren Packtaschen von Ortlieb, einer Lenkertasche und einem Fahrradnavi.

Er mit einer normalen 30er-Kettenschaltung.

Ich mit einer 14 Gang-Rohloff-Nabenschaltung.

Auf die Navis hatten wir vorher einen Track (einen beabsichtigten Weg) aufgespielt, an den wir uns im Weiteren aber nicht immer gehalten haben.

Und … leider hatte ich vergessen, neben dem Track auch noch das dazu nötige Kartenmaterial aufzuspielen.

Nach Deutschland wurde es daher grob. Sehr grob.

Wer schon mal eine Garmin-Basiskarte gesehen hat, weiß wovon ich rede.

Nerven behalten war angesagt.

Und Vertrauen (Du weißt: Der rote Faden).

Extrem harte Vorbereitung 🙂

Trainiert war ich ja „genug“.

Norbert wollte von mir, dass wir im Vorfeld gemeinsam regelmäßig 100er Runden trainieren, um für mich die nötige Ausdauer und Kondition zu erlangen.

Zwei davon habe ich geschafft. Zwei! 100er Trainingsfahrten.

Ich versprach ihm, den Rest mit meinem Willen zu machen. Er solle sich mal keine Sorgen machen.

Um mal vorzugreifen. Diesen Spruch habe ich bitter bezahlt. Mehrfach.

Aber er hat mir geholfen. Ich habe es geschafft.

Und es war überwältigend.

Die Kreisgrenze – Zwei Helden

„Weilerswist im Kreis Euskirchen“

Wir sahen uns an.

Wir hatten jetzt nicht nur die Stadtgrenze passiert, sondern auch schon die dritte Kreisgrenze erreicht.

Und wir fühlten uns gut. Wie Helden „on tour“.

Wie ging es weiter mit den Helden?

Bleib dran. Ich würde mich freuen.           Hans-Peter

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